Grundlagen

Notched Music bei Tinnitus: Prinzip, Studien und Anwendung

Notched Music ist normale Musik, aus der ein schmales Band um deine persönliche Tinnitus-Frequenz herausgefiltert wird. Das dahinterliegende Tailor-Made Notched Music Training (TMNMT) ist ein regelmäßiges Hörtraining für tonalen, bestimmbaren Tinnitus. Die bislang umfangreichste Meta-Analyse mit 14 kontrollierten Studien und 793 Patienten zeigt: Gefilterte Musik senkte Tinnitus-Belastung und wahrgenommene Lautheit signifikant stärker als gewöhnliche Musiktherapie.

Notched Music einfach erklärt

„Tailor-Made“ bedeutet: Der Filter wird auf deinen persönlichen Tinnitus-Ton zugeschnitten. „Notch“ bezeichnet die schmale Kerbe, die dabei im Klangspektrum entsteht. Der Ablauf besteht aus drei Schritten:

  1. Die persönliche Tinnitus-Frequenz bestimmt die Mitte des Filters.
  2. Ein schmales Frequenzband um diesen Wert wird aus der Musik entfernt.
  3. Der übrige Song bleibt erhalten und wird regelmäßig gehört.

Für wen passt Notched Music?

Das Prinzip passt zu tonalem Tinnitus: einem stabilen Pfeifen oder Piepen mit erkennbarer Tonhöhe. Diese Frequenz braucht der Filter als Mittelpunkt. Bei rauschartigem oder pulsierendem Tinnitus fehlt ein einzelner Ton, auf den er zugeschnitten werden könnte.

  • Passend: tonaler, stabiler Tinnitus mit bestimmbarer Frequenz und regelmäßiger Musiknutzung.
  • Auch bei hohen Frequenzen: Bis etwa 8 kHz ist der Effekt am besten belegt. Darüber verstärkt die Kantenanhebung gezielt die Bereiche direkt neben der Kerbe.
  • Vorher ärztlich abklären: neuen, plötzlichen, einseitigen oder pulsierenden Tinnitus sowie Hörverlust, Schwindel oder Ohrenschmerzen.

Kennst du deinen Wert noch nicht, kannst du deine Tinnitus-Frequenz Schritt für Schritt bestimmen.

So funktioniert das Prinzip

Das Erklärmodell dahinter heißt laterale Hemmung. Vereinfacht gesagt: Die Musik regt die Frequenzbereiche direkt neben der ausgesparten Stelle weiter an. Diese benachbarten Bereiche hemmen sich im Hörsystem gegenseitig. Regelmäßiges Hören soll so die Aktivität rund um die Tinnitus-Frequenz beeinflussen.

Warum die Filtertechnik zählt

Zwei Werte entscheiden über die Kerbe: Die Frequenz legt ihre Position fest, die Notch-Breite bestimmt den ausgesparten Bereich. Ein sauberer Filter nimmt gezielt dieses Band aus dem Song, ohne den Rest der Musik unnötig zu verändern.

Tinnibuddy berechnet den Filter live beim Abspielen. Du musst Musik deshalb nicht vorher als MP3 bearbeiten oder konvertieren und kannst im A/B-Vergleich direkt zwischen Original und gefilterter Version wechseln.

Was zeigen die Studien?

Die bislang umfangreichste Meta-Analyse von Jiang et al. (2025) wertete 14 kontrollierte Studien mit 793 Patienten aus. Nach drei Monaten senkte Musik mit herausgefilterter Tinnitus-Frequenz die Tinnitus-Belastung und wahrgenommene Lautheit signifikant stärker als gewöhnliche Musiktherapie.

Die Grundlagenstudie von Okamoto und Kollegen (2010) an der Universität Münster macht den Unterschied besonders anschaulich: Unter individuell gefilterter Musik sank die wahrgenommene Tinnitus-Lautheit deutlich – unter Placebo-Musik nicht. Parallel gingen die tinnitusbezogenen Hirnantworten im auditorischen Kortex zurück.

So nutzt du Notched Music im Alltag

  1. Frequenz bestimmen: Nutze einen vorhandenen Wert oder starte den kostenlosen Frequenzfinder.
  2. Musik starten: Höre Titel aus der Musikbibliothek, eigene Dateien oder Computer-Audio mit deinem Filter.
  3. Regelmäßig trainieren: In den Studien wurde über mehrere Monate täglich rund ein bis zwei Stunden gehört. Mit dem A/B-Schalter kannst du den Filter jederzeit direkt vergleichen.

Nutze Stereo-Kopfhörer in angenehmer Lautstärke, damit beide Ohren dasselbe gefilterte Signal erhalten. Mehr dazu steht im Kopfhörer-Ratgeber für Notched Music.

Häufige Fragen

Was bedeutet TMNMT?

TMNMT steht für Tailor-Made Notched Music Training. Dabei wird ein schmales Frequenzband rund um die persönliche Tinnitus-Frequenz aus Musik entfernt und diese gefilterte Musik regelmäßig gehört.

Wie lange hört man Notched Music?

In den Studien wurde über mehrere Monate täglich rund ein bis zwei Stunden gehört. Entscheidend ist die regelmäßige Nutzung mit korrekt bestimmter Frequenz.

Ist Notched Music dasselbe wie ein Masker?

Nein. Ein Masker überdeckt den Tinnitus mit einem zusätzlichen Geräusch. Notched Music entfernt stattdessen den persönlichen Tinnitus-Bereich aus normaler Musik.

Funktioniert Notched Music bei sehr hohen Frequenzen?

Bis etwa 8 kHz ist der Effekt am besten belegt. Darüber hebt Tinnibuddy die Bereiche direkt neben der Kerbe gezielt an und verstärkt damit den für das Training wichtigen Kontrast.

Quellen

  1. Jiang et al. (2025): Meta-Analyse über 14 kontrollierte Studien mit 793 Patienten
  2. Okamoto, Stracke, Stoll & Pantev (2010): Individuell gefilterte Musik und Tinnitus-Lautheit
  3. Pantev, Okamoto & Teismann (2012): Laterale Hemmung und musikinduzierte Plastizität
  4. Teismann, Okamoto & Pantev (2011): TMNMT bei Tinnitus-Frequenzen bis 8 kHz
Tinnibuddy

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